Protein
Kollagen: Funktion, Bedarf und Kollagenhydrolysat im Überblick
Kollagen ist das mengenmäßig häufigste Protein im menschlichen Körper und ein Grundbaustein von Haut, Sehnen, Bändern, Knorpel und Knochen. Dieser Beitrag gibt einen sachlichen Überblick: was Kollagen im Körper leistet, warum die körpereigene Bildung mit dem Alter nachlässt, was Kollagenhydrolysat von normalem Kollagen unterscheidet und wie die Studienlage zu Haut und Gelenken einzuordnen ist.
Was ist Kollagen und wofür braucht der Körper es?
Kollagen ist ein faserförmiges Strukturprotein und macht schätzungsweise 25 bis 35 Prozent der gesamten Proteinmasse im menschlichen Körper aus. Es bildet ein stützendes Netzwerk im Bindegewebe und ist dadurch zentral für die mechanische Stabilität von Haut, Sehnen, Bändern, Knorpel, Knochen und Blutgefäßen.
Im menschlichen Körper gibt es mehr als 20 verschiedene Kollagentypen, die sich in ihrer molekularen Struktur und ihrem Vorkommen unterscheiden. Die folgende Tabelle zeigt die häufigsten Typen und wo sie im Körper hauptsächlich vorkommen.
| Kollagentyp | Hauptvorkommen im Körper |
|---|---|
| Typ I | Haut, Sehnen, Bänder, Knochen |
| Typ II | Gelenkknorpel |
| Typ III | Haut, Blutgefäße, innere Organe |
| Typ IV | Basalmembranen, zum Beispiel in der Niere |
| Typ V | Haarfollikel, Plazentagewebe |
Typ I ist der mengenmäßig häufigste Kollagentyp und macht einen Großteil des Kollagens in Haut, Sehnen und Knochen aus. Die meisten erhältlichen Kollagenpräparate bestehen entsprechend überwiegend aus Kollagen Typ I, teils ergänzt um Typ III.
Wie verändert sich die Kollagenbildung mit dem Alter?
Der Körper bildet Kollagen laufend selbst, aus den Aminosäuren Glycin, Prolin und Hydroxyprolin, wobei Vitamin C als Cofaktor an der Kollagenbildung beteiligt ist. Mit zunehmendem Alter nimmt diese körpereigene Bildung jedoch allmählich ab, üblicherweise beginnend im mittleren bis späten dritten Lebensjahrzehnt. Häufig wird eine Abnahme von etwa einem Prozent pro Jahr genannt, wobei diese Zahl eine grobe Schätzung ist.
Neben dem natürlichen Alterungsprozess können auch äußere Faktoren die Kollagenstruktur beeinträchtigen, vor allem UV-Strahlung, die Kollagenfasern in der Haut direkt schädigen kann, sowie Rauchen und ein dauerhaft hoher Zuckerkonsum, der über einen Prozess namens Glykation zu einer Versteifung und Vernetzung der Kollagenfasern beitragen kann.
Was ist Kollagenhydrolysat?
Kollagenhydrolysat, auch hydrolysiertes Kollagen oder Kollagenpeptide genannt, entsteht durch enzymatische Spaltung von Kollagen in kleinere Peptidketten. Im Gegensatz zu unverarbeitetem, nativem Kollagen ist Kollagenhydrolysat in Wasser löslich und für den Körper deutlich leichter verdaulich, da die langen Kollagenfasern bereits vorab in kleinere Bruchstücke zerlegt wurden.
Handelsübliches Kollagenhydrolysat wird meist aus Rinderhaut oder Rinderknochen (bovines Kollagen), Schweinehaut (porcines Kollagen) oder Fischhaut und Fischschuppen (marines Kollagen) gewonnen. Die Quellen unterscheiden sich in ihrem Aminosäureprofil nur geringfügig. Grundlegend unterschiedliche Wirkungen wurden in Studien bislang nicht nachgewiesen, direkte Vergleichsstudien gibt es allerdings nur wenige.
Wie wird Kollagenhydrolysat im Körper aufgenommen?
Nach der Einnahme wird Kollagenhydrolysat im Verdauungstrakt weiter in einzelne Aminosäuren und kleinere Peptidbruchstücke zerlegt. Eine Studie an Ratten zeigte, dass ein Teil dieser Bruchstücke, vor allem kollagentypische Peptide wie Prolyl-Hydroxyprolin, intakt über den Darm ins Blut gelangen und anschließend im Gewebe, unter anderem in der Haut, nachgewiesen werden können. Solche Befunde aus Tierversuchen liefern einen möglichen Erklärungsansatz, lassen sich aber nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen.
Unabhängig vom genauen Aufnahmeweg gibt es beim Menschen kontrollierte Studien zu bestimmten Messgrößen, vor allem zu Hautparametern und zu gelenkbezogenen Beschwerden. Sie werden im Folgenden eingeordnet.
Was zeigt die Studienlage zur Haut?
Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie untersuchte die tägliche Einnahme bestimmter Kollagenpeptide bei Frauen. Nach acht Wochen zeigte sich in der Kollagengruppe im Vergleich zur Placebogruppe eine statistisch signifikante Verbesserung der gemessenen Hautelastizität.
Diese Ergebnisse sollten mit Zurückhaltung eingeordnet werden: Die Effekte in Hautstudien sind oft moderat, die Studiendauer ist meist auf einige Wochen bis Monate begrenzt, und ein Großteil der bisher veröffentlichten Studien wurde mit Unterstützung von Kollagenherstellern durchgeführt. Das sollte bei der Bewertung der Unabhängigkeit berücksichtigt werden.
Was zeigt die Studienlage zu Gelenken?
Eine placebokontrollierte Studie über 24 Wochen untersuchte Kollagenhydrolysat bei körperlich sehr aktiven Studierenden mit belastungsbedingten Gelenkbeschwerden. Die Gruppe, die Kollagenhydrolysat einnahm, berichtete am Ende eine statistisch signifikant stärkere Verbesserung der Beschwerden als die Placebogruppe, am deutlichsten in der Untergruppe mit den stärksten Ausgangsbeschwerden.
Auch hier gilt: Wie Kollagenpeptide auf den Gelenkknorpel wirken könnten, ist noch nicht abschließend geklärt, und nicht alle Studien kommen zu einheitlich positiven Ergebnissen. In der Fachliteratur wird die Evidenz insgesamt als vorsichtig positiv, aber noch ausbaufähig eingeordnet.
Kollagen aus der Nahrung und die Rolle von Vitamin C
Natürliches Kollagen steckt in nennenswerten Mengen vor allem in Bindegewebe, Haut, Knorpel und Knochen von Tieren, etwa in klassischer Knochenbrühe, und in geringerem Umfang in Fisch- und Fleischgerichten mit Haut oder Sehnen. Diese Lebensmittel liefern jedoch deutlich geringere und weniger gleichmäßige Mengen als ein konzentriertes Kollagenhydrolysat.
Da Vitamin C an der körpereigenen Kollagenbildung beteiligt ist, wird eine ausreichende Vitamin-C-Zufuhr in der Literatur häufig im Zusammenhang mit Kollagen diskutiert. Ob eine zusätzliche Vitamin-C-Einnahme über den normalen Bedarf hinaus neben Kollagenhydrolysat einen Zusatznutzen hat, ist beim Menschen bislang nicht eindeutig belegt. Eine ausreichende Versorgung, wie sie über eine normale Ernährung meist erreicht wird, gilt aber als sinnvolle Grundlage.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Kollagen und Kollagenhydrolysat?
Kollagenhydrolysat ist enzymatisch in kleinere Peptide gespalten und dadurch besser wasserlöslich und leichter verdaulich als unverarbeitetes, natives Kollagen. Für Nahrungsergänzungsmittel wird deshalb praktisch ausschließlich Kollagenhydrolysat verwendet.
Ab welchem Alter sinkt die körpereigene Kollagenbildung?
Die körpereigene Bildung beginnt üblicherweise etwa ab dem 25. bis 30. Lebensjahr allmählich nachzulassen. Der genaue Verlauf ist individuell unterschiedlich und hängt unter anderem von UV-Belastung, Rauchen und Ernährung ab.
Hilft Kollagen gegen Falten?
Einzelne kontrollierte Studien zeigen moderate Veränderungen gemessener Hautwerte wie der Elastizität nach mehrwöchiger Einnahme. Das ist nicht mit einer sichtbaren Faltenreduktion gleichzusetzen, und die Studienlage ist insgesamt begrenzt.
Ist Kollagen auch für Veganer geeignet?
Nein, Kollagen ist ein tierisches Protein und wird aus Rind, Schwein oder Fisch gewonnen, echtes pflanzliches Kollagen gibt es nicht. Pflanzliche Nährstoffkombinationen, die als Alternative angeboten werden, sind kein direkter Ersatz.
Wie lange dauert es, bis man einen Effekt bemerkt?
In den meisten kontrollierten Studien zu Haut und Gelenken wurde über acht bis 24 Wochen eingenommen, bevor Unterschiede zur Placebogruppe gemessen wurden. Kurzfristige Effekte nach wenigen Tagen sind wissenschaftlich nicht belegt.
Muss ich Kollagen mit Vitamin C kombinieren?
Vitamin C ist an der körpereigenen Kollagenbildung beteiligt. Ein zusätzlicher Nutzen einer Extra-Einnahme über den normalen Bedarf hinaus ist beim Menschen aber nicht eindeutig belegt. Eine ausreichende Vitamin-C-Versorgung über die Ernährung gilt als sinnvolle Grundlage.
Quellen
- Proksch E et al.: Oral supplementation of specific collagen peptides has beneficial effects on human skin physiology, Skin Pharmacology and Physiology, 2014
- Clark KL et al.: 24-Week study on the use of collagen hydrolysate as a dietary supplement in athletes with activity-related joint pain, Current Medical Research and Opinion, 2008
- Watanabe-Kamiyama M et al.: Absorption and effectiveness of orally administered low molecular weight collagen hydrolysate in rats, Journal of Agricultural and Food Chemistry, 2010
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden, bekannten Allergien oder vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, besonders in Schwangerschaft und Stillzeit, wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Apotheke.